
Das 1925 gegründete Familienunternehmen Kloosterboer ist in den Niederlanden eines der führenden Logistikunternehmen.
Ursprünglich aus dem Gemüsehandel kommend, liegt der heutige Unternehmensschwerpunkt bei Lagerung, Versand, Transport und Zollabfertigung von Temperatur kontrollierter Ware. Zu den Gefrier- und Kühlprodukten zählen Lebensmittel wie Früchte, Konzentrate, Fisch, Fleisch, Knoblauch, Molkerei- und Kartoffelprodukte. Neben dieser Produktpalette werden aber auch Waren wie Zucker, Nüsse, Holz- und Industrieprodukte betreut.
Das Unternehmen beschäftigt weltweit 390 Mitarbeiter. An 8 strategischen Standorten in den Niederlanden, Norwegen und auf den Faroe Inseln steht eine Lagerkapazität von insgesamt zwei Mio. m³ zur Verfügung, die bis zu 350.000 t Ware aufnehmen kann.
350 Kunden aus 30 Ländern beauftragen Kloosterboer mit der logistischen Abwicklung ihrer Güter, und der Umsatz des Unternehmens beträgt ca. 60 Mio. Euro pro Jahr.
Kloosterboer hat den Anspruch, auf dem neuesten Stand der Technik höchste Qualität und Zuverlässigkeit zu bieten. An den Transport und die Lagerung von Gütern werden deshalb technisch hochgradige Anforderungen gestellt.
Der Auftrag der Firma Farm Frites, die Logistik ihrer Kartoffelprodukte weitgehend zu übernehmen, stellte Kloosterboer vor eine neue Herausforderung. Zusammen mit dem Komplettanbieter für Lager- und Transportlösungen Westfalia Logistics Solutions wurde ein Konzept entwickelt, das den anspruchsvollen Kundenanforderungen entspricht.
Mit dem Bau eines neuen, vollautomatischen Hochregallagers von Westfalia wurde den Forderungen nach hoher Leistungsfähigkeit, besonders bei der Auslagerung, Rechnung getragen. Darüber hinaus spielten die Kostenreduzierung des Palettenhandlings, die Verringerung des manuellen Arbeitsaufwandes sowie die erhöhte Flexibilität und Tageszeitunabhängigkeit eine wesentliche Rolle.
Seit Herbst 2003 ist in Maasvlakte, das zum Hafengebiet von Rotterdam gehört, das vollautomatische TK-Satellitenkompaktlager® im Betrieb. Das 62.000 Paletten fassende Hochregallager ist mit 320.000 m³ eines der größten seiner Art in Holland. Vier Regalfahrzeuge (RFZ) fahren mit einer Geschwindigkeit von 200 m/min. in das Lager ein und der 90 m/min. schnelle Satellit® bringt die Paletten auf den für sie bestimmten Lagerplatz. Somit können 180 Paletten pro Stunde im Doppelspiel transportiert werden.
Eine sehr hohe Leistungsfähigkeit wird ebenfalls durch die spezifische Satelliten®-Technik am Regalfahrzeug erreicht.
Denn dieser Satellit® ist in der Lage, zwei Paletten, die ihm die Quertransportwagen paarweise anliefern, gleichzeitig auf zu nehmen und zu transportieren und so seine Leistung zu verdoppeln.
Um den Warenfluss auch in der Anbindung an das Lager optimal zu gestalten, werden die Paletten vom Wareneingang und zum Versand über Kettenförderer, Quertransportwagen und Quertransportstauförderer transportiert.
Auch in der Versandzone wird das Handling flexibel und mit geringem manuellem Aufwand abgewickelt. Hier wurde ein automatisches Be- und Entladesystem für Stückgüter und Paletten installiert. Die Spedition Farm Trans, die für Farm Frites die Transportlogistik übernimmt, investierte in drei SpeedLoader der Westfalia Loading Systems. Durch diese kann auf stationären Transportbändern - unabhängig vom Zeitpunkt der LKW-Beladung - das vorkommissionierte Ladegut sequenzgenau bereitgestellt werden.
Transportfahrzeuge, die ebenfalls mit einer integrierten Transportbandtechnik ausgestattet sind, docken am Verladetor und somit direkt am stationären Transportband in der Versandzone an. Im Gleichlauf des stationären sowie des LKW-Transportbandes erfolgt dann die automatische Be- oder Entladung des Transportgutes auf Knopfdruck innerhalb von 1,5 bis 2,5 Minuten. Die SpeedLoader haben eine Kapazität von 32 Europaletten, die auch quer verladen werden können.
Die Shuttleverkehre von Farm Trans müssen 30 Tonnen Kartoffelprodukte, die von Farm Frites pro Stunde produziert werden, abtransportieren. Dazu sind 40 Fahrten in 16 Stunden nötig. Die SpeedLoader legen eine Strecke von 240.000 km pro Jahr zurück. Insgesamt verlassen am Tag ca. 3.000 Paletten das Lager bei Kloosterboer. Für Farm Frites bedeutet dies, dass die Produkte nun schneller, ökonomischer und frischer angeliefert werden können.
Gleich beim Eintreffen der Paletten im Lager werden diese auf dem Quertransportwagen durch eine automatische Konturenkontrolle auf Beschädigungen überprüft. Durch Gewichtsermittlung stellt eine Waage fest, ob die richtige Menge des Artikels vorhanden ist. Die spiegelbildliche Konstruktion des Lagers ermöglicht einen hohen Grad an Redundanz, der die Verfügbarkeit eines jeden Artikels – auch bei Ausfall eines RFZ – sicherstellt.
Wie das Satellitenkompaktlager® stammt auch das dazu gehörige Lagerverwaltungs- und Lagersteuerungssystem von Westfalia.
Das Lagerverwaltungssystem (LVS) ist über eine Online-Zwei-Kanal-EDI (Electronic Data Interface) mit dem ERP (Enterprise Ressource Planning)-System verbunden. Diese Schnittstelle macht den zeitnahen Datenaustausch und die Übermittlung von Warenaufträgen (Ordern) sowie von Daten über Wareneingänge und –ausgänge möglich. Der problemlose Datenaustausch über Order ist für Kloosterboer besonders wichtig, da hierüber die Kommunikation mit dem Kunden im ERP-System erfolgt.
Die Einlagerstrategie ist Leistung optimiert eingestellt und verfolgt neben der Gleichverteilung der Artikel auch artikelreine Kanäle. Darüber hinaus sind für Kloosterboer eine Reihe von frei konfigurierbaren Lagerstrategien möglich, die sich auf die Artikelvielfalt des jeweiligen Kunden individuell einstellen lassen.
Mit dem vollautomatischen Handling, das beim Hersteller Farm Frites beginnt, über Farm Trans mit automatischer Verladetechnik fortgeführt wird und bei Kloosterboer mit automatischer Lagerung und Verladung endet, ist die Logistikkette durchgängig automatisiert. Vom Hersteller bis zum Endkunden wird dadurch flexibel und leistungsfähig gelagert und verladen. Manuelle Arbeiten werden auf ein Minimum reduziert und die logistischen Abläufe sind durch das Lagerverwaltungssystem jederzeit steuer- und rückverfolgbar.
„Die Reduzierung der Personalkosten und die Zeitersparnisse, die sich durch den geringeren manuellen Aufwand ergeben, tragen dazu bei, dass sich die Investition in Lagerung und Verladung schnell amortisieren wird“, so Alex Kloosterboer, Geschäftsführer der Fa. Kloosterboer.