Moselland hat vollautomatisches "Wein-Regal" im Keller

Die Winzergenossenschaft Moselland eG mit Hauptsitz in Bernkastel-Kues ist nicht nur der größte Weinerzeuger in Rheinland-Pfalz, sondern mit einer Exportquote von 50% auch größter Exporteur von Weinen des Mosel-Saar-Ruwer-Gebiets. Der mit über 50% auf der Rieslingtraube liegende Schwerpunkt macht die Winzergenossenschaft zum größten Rieslingerzeuger der Welt. Doch die Spezialisierung schließt die Vielfalt nicht aus: Neben Riesling werden auch Elbling, Rivaner, Silvaner, Weißer und Grauer Burgunder sowie Dornfelder und Spätburgunder angebaut. Bis zu 200 verschiedene Sorten dieser Winzergenossenschaft können auf dem Markt erworben werden, und zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen zeugen von deren hoher Qualität.

Das stetige Wachstum des Unternehmens führte Ende der 90er Jahre dazu, dass sich die vorhandenen Lagerkapazitäten erschöpften. Als zusätzliche Lagermöglichkeit bot sich der 2300 m2 große Keller an, welcher direkt unter dem Abfüll- und Versandbereich liegt, und in dem bis in die 80er Jahre hinein Wein in Tanks gelagert worden war.

 

Branchenspezifische Anforderungen

Mit der Zielsetzung einer optimalen, auch in Zukunft weiter ausgestaltbaren Raumausnutzung entschied sich Moselland für die Investition in ein vollautomatisch betriebenes Satellitenlager®. Vollautomatik war auch das Kriterium für die Fördertechnik, welche die Warenträger vom Lager im Keller bis in die eine Etage höher gelegene Produktion und den Versand transportieren sollte.

Besondere Anforderungen wurden an die Computer gestützte Lagerverwaltung gestellt. Diese sollte auf die speziellen Erfordernisse des Weinbaus zugeschnitten sein und eine einfache Bedienung garantieren. Zudem erwartete man von ihr die Mitverwaltung eines bestehenden Blocklagers.

 

Flexibilität bei der Lagerkonzeption

Im 10 m hohen Weinkeller der Winzergenossenschaft werden heute auf 2300 m² 6100 Wein- und Leerglaspaletten gelagert. Das Satellitenkompaktlager® ist in 3 unterschiedlich tiefe Blöcke eingeteilt, die von 2 Regalfahrzeugen (RFZ) angefahren werden. Pro Block wird auf 4 Lagerebenen und in 47 Lagerzeilen ein- und ausgelagert. Die Kanaltiefe der Lagerblöcke wurde variabel konzipiert und beträgt zwischen 4 und 11 Palettenplätze. Im Mittelblock, der von beiden RFZ bedient wird, können bis zu 19 Paletten hintereinander in einem Kanal gelagert werden. Die unterschiedliche Tiefe der Kanäle ermöglicht eine der Produktion angepasste Einlagerung der Weinpaletten nach Abfüllgrößen (Losgröße).

Der trinkfertige Wein wird für den innerdeutschen Transport auf Euro- und für den Transport ins Ausland auf Industriepaletten gelagert. Alle Kanäle sind daher auf die Einlagerung beider Palettentypen ausgerichtet. Dies ermöglicht eine flexiblere Verwaltung der Lagerpositionen unter Berück­sichtigung der Abfüllmenge und des Bestimmungsortes.

 

Geschoßübergreifender Materialfluß

Vom Abfüllbereich zum Lagereingang werden die mit Wein bestückten Paletten über einen Rollenkettenförderer transportiert. Zwei Senkrechtförderer stellen die Verbindung zwischen Erdgeschoß und Keller her. Die im Keller angelangten Warenträger werden vom Senkrechtförderer an einen Rollenkettenstauförderer übergeben. Dieser transportiert die Weinpalette bis zur Übergabestelle, an der das RFZ die Palette übernimmt. Im Doppelspielverfahren lagert das RFZ den trinkfertigen Wein ein und entnimmt anschließend einen Waren­träger mit Leerglas. Die ausgelagerten Leerglaspaletten werden über einen Vertikalförderer und die angeschlossene Stauförder­strecke in die Produktion transportiert. Die Verbindung zwischen Lager und Versandbereich stellt ein ca. 80 m langer Rollenkettenstauförderer her. Er transportiert die ausgelagerten Weinpaletten direkt in den Versand oder versorgt die Kommissionierzone.

 

Herausforderung bei der Montage

Der Einbau der beiden Vertikalförderer in den Keller stellte sich als besondere Herausforderung dar, da die Förderer die Kellerdecke um 3 m überragen. Nach Abwägung aller Möglichkeiten und unter Berück­sichtigung des Kosten‑Nutzen‑Faktors, entschlossen sich die Planer von Westfalia Storage Systems zur Zerlegung der Geräte in zwei Teile. Nach der Einbringung der Vertikalförderer wurden die Geräteteile durch speziell entwickelte Verbindung wieder stabil miteinander verbunden.

 

Individuelle Lagerverwaltungssoftware

Die Lagerverwaltungssoftware ist auf die speziellen Erfordernisse des Weinbaus zugeschnitten: Jeder Palette werden automatisch über die Füllaufträge beziehungsweise über die Warenerwartung Daten wie Artikelnummer, Firmennummer und amtliche Prüfnummer zugeordnet, so dass die Einlagerung durch Knopfdruck pro Produktionslinie auf einer IR-Fernbedienung gestartet wird.

Jede Palette wird darüber hinaus durch ein automatisches Etikettier­system mit einer Identifikationsnummer versehen, die eine stetige Paletten­verfolgung ermöglicht. Die Identifikationsnummer wird über stationäre Scanner bei der Einlagerung automatisch an das Lagerverwaltungssystem überspielt. Jeder Palette ist eine 36-stellige Artikelnummer zugeordnet, die unter anderem die amtliche Prüfnummer und die Weinnummer enthält. Da die vollständige Eingabe dieser Artikelnummer die Suche verlangsamen würde, wurde für Moselland eine spezielle Fuzzy-Logik entwickelt.

Um einen Artikel finden zu können, muss nur ein Teil der Artikel­nummer eingeben werden. Bei häufigerem Vorkommen der Zahlenkombination listet das Programm alle möglichen Artikel auf und der Benutzer wählt die gesuchte Ware aus. Der Lagerverwaltungsrechner des Satelliten­kompaktlagers verwaltet auch die Bestände des alten Block­lagers und der Kommissionierzone. Durch die EDV-technische Zusammen­führung ist ein Überblick über alle Lagerbestände jederzeit möglich.

 

Integrierte Notfallstrategie

Um eine ständige Verfügbarkeit aller Produkte sicher zu stellen, hat Westfalia eine Notfallstrategie für das Lager entwickelt: Sollte ein RFZ aufgrund einer Wartung oder Fehlermeldung vorübergehend nicht verfügbar sein, kann das zweite RFZ alle Paletten des Mittelblocks bewegen. Damit bleiben bis zu 5640 Paletten im Zugriff dieses RFZ. Alle eingehenden Lageraufträge werden durch den Lagerver­waltungs­rechner (LVR) geprüft und dann auf das aktive RFZ umgeleitet. Bei der Aktivierung des abgeschalteten RFZ erfolgt ein automatischer Datenabgleich über Position und Anzahl der bewegten Paletten. Interessant wird die Umsetzung dieser Strategie durch die – mit 16 m - hohe Einfahrttiefe des Satelliten®in den Lagerkanal und das flexible Zusammenspiel zwischen dem Lagerverwaltungssystem und der Systemsteuerung des RFZ.

 

Das sind die Highlights:

  • Maximale Raumausnutzung im Keller durch das Satelliten®-Kompaktlager
  • Optimierte Leistungsfähigkeit des gesamten Logistiksystems durch geschoßübergreifende Fördertechnik
  • Reduzierung von Personal- und Staplerkosten sowie sicherer Warentransport durch Vollautomation
  • Vollständige Transparenz, hohe Flexibilität und einfachste Bedienung durch speziell auf Moselland angepasste Lagerverwaltungssoftware
  • Permanente Lieferfähigkeit von im Mittelblock gelagerter Ware durch integrierte Notfall-Strategie



Daten & Fakten

  • Baujahr: 1999
  • Ladungsträger: Palette
  • Stellplätze: 5.640
  • Regalfahrzeuge: 2 Stück
  • Lastaufnahmemittel: Satellit®

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